MEISTERWERKE BERGBAULICHER KUNST UND KULTUR

Nr. 123:Tafelaufsatz in Gestalt eines Trinkhorns
Tafelaufsatz in Gestalt eines Trinkhorns
Fritz Schmidt, München, Silber, vergoldet, 1924; R. Cascella, Elfenbein, 1918; Höhe 40 cm
Bochum, Deutsches Bergbau-Museum (Inv.-Nr. 030006075001)


In der Weihnachtsauktion des Kunstauktionshauses Ahlden konnte das Deutsche Bergbau-Museum Bochum ein besonderes Meisterwerk bergbaulicher Kunst und Kultur ersteigern, das seine Entstehung dem bayerischen Braunkohlenbergbau von Schwandorf und Umgebung verdankt. Es ist unmittelbar mit der Persönlichkeit und dem Namen des ehemaligen Generaldirektors der Bayerischen Braunkohlen-Industrie Aktiengesellschaft, dem Geheimen Kommerzienrat Dr.-Ing. E. h. Oskar Kösters, verbunden.

Der aufwändig gearbeitete Tafelaufsatz besteht aus einem elfenbeinernen Trinkhorn, das auf einem vergoldeten Auflager mit hohem Standfuß unbefestigt aufliegt. In das größere Ende des Trinkhorns ist ein vergoldeter becherförmiger Einsatz eingefügt worden, so dass ein Trinken aus dem Horn möglich ist. Der Einsatz selber wird von einem vergoldeten Becher mit Standfuß abgeschlossen. Er kann ebenfalls abgezogen werden, auch aus ihm kann also getrunken werden. Zahlreiche Inschriften verweisen auf die bergmännische Entstehung des Tafelaufsatzes, der zu zwei unterschiedlichen Zeiten entstanden ist.

Ältester Bestandteil des Tafelaufsatzes ist das wohl aus Elfenbein bestehende Trinkhorn, das die Signatur eines nicht weiter bekannten Schnitzers ("R. Cascella") und die Jahreszahl "1918" trägt. Das Horn ist übersät mit Amoretten, Putten, Satyrn, Nymphen, Müttern mit Kindern und sich umarmenden Menschen in einer paradiesischen Landschaft. Wein und Früchte werden gesammelt, Kinder spielen mit Löwen und Ziegenböcken, bauen Unterkünfte, musizieren und genießen das ländliche Leben. Bukolische Szenen der italienischen (florentiner) Renaissance sind Vorbilder für diese flachreliefartigen Schnitzereien gewesen. Den Bodenteil des Horns schmückt eine lange, vegetabilische Ranke. In das weite Ende des Horns ist (s. o.) ein vergoldeter becherartiger Einsatz eingefügt worden, der am Rand die in einer silbernen Zone eingetragene Inschrift aufweist: "Oskar et Julie Koesters Ostern 1924". Der in die Öffnung des Einsatzes passende vergoldete Becher ist mit einem Standfuß versehen worden, der im Bodenrand die Signatur des Künstlers trägt ("Prof. Fritz Schmidt Aurifaber [Goldschmied] München"). Unter dem Boden selbst ist ein kreisrundes Porträtmedaillon des Heiligen Sylvester vor blauem Emailhintergrund mit der Umschrift "Sanctus Silvester Pont[ifex] Magn[us]" eingelassen. Die äußere Wandung des ovalen Bechers ist mit dem Bergbauemblem Schlägel und Eisen und einem Girlandenband versehen worden, das auf versilbertem Grund die Beischrift zeigt "Was ohne Rast sein Geist ersann Gestalt durch seine Hand gewann".

Das Auflager des Trinkhorns verfügt über einen mit quadratischen Tigeraugen besetzten, vierpassförmigen, buckeligen Standfuß, aus dem sich der mit vier Griffappliken und zwei Nodi ausgestattete Stengel entwickelt. Ein mit Fischen geschmücktes, längsovales Zwischenglied ist am Boden mit zwei Ösen versehen. Die dort ehemals befindlichen Anhänger sind verloren. Es leitet über zu einem schiffsförmigen Auflager, das sechs emaillierte Wappen (drei auf jeder Seite), darunter das des Freistaates Bayern, der Hansestadt Bremen, der Stadt Schwandorf sowie das Bergbauemblem Schlägel und Eisen trägt. Am "Heck" des Auflagers steht der Bergmannsgruß "Glück Auf!". Die Wappen erklären sich aus der Persönlichkeit von Oskar Kösters: Er wurde in Bremen geboren, lebte in Schwandorf und gehörte zu den staatstragenden Persönlichkeiten Bayerns.

Noch nicht erwähnt worden ist eine Inschrift unter dem Boden des Standfußes, die einen deutlichen Hinweis auf den Grund der Entstehung dieses Tafelaufsatzes gibt. Dort hat Julie Kösters auf einer Unterlegscheibe, die den Stengel am Standfuß hält, gravieren lassen "Meinem lieben Manne". Demnach handelt es sich bei dem Tafelaufsatz um ein Geschenk von Julie Kösters an ihren Mann, wobei sie ein älteres (bereits im Hause Kösters befindliches?) Trinkhorn vom Goldschmied Fritz Schmidt in einen neuen künstlerischen Zusammenhang hat bringen lassen. Die Gründe für das Datum der Schenkung des Tafelaufsatzes "Ostern 1924" sind bislang unerklärt (unter Umständen das Datum der Silbernen Hochzeit).

Der Schöpfer des Tafelaufsatzes ist der Goldschmied Prof. Fritz Schmidt. Er wurde am 3. Februar 1876 in München geboren und nahm später Lehraufgaben im Bereich Ziselieren, Gravieren und Emaillieren an der Kunstgewerbeschule München wahr, an der er auch als Schüler gelernt hatte. Dort wurde er Assistent von Fritz von Miller, 1915 zum ordentlichen Professor und am 1. Juli 1933 zum Direktor der nun "Staatsschule für Angewandte Kunst" in München genannten Lehranstalt unter Beibehaltung seiner Klasse für Metall- und Goldschmiedekunst berufen. Schmidt verstarb bereits am 21. Februar 1925 im Alter von nur 49 Jahren, sein Œuvre umfasst vor allem Tafelaufsätze, Pokale, liturgische Geräte und Ehrenpreise, die Nachrufe preisen ihn als "hervorragende Lehrkraft von großem Taktgefühl und bewundernswerter Gestaltungskraft" (1935).

Der mit dem Tafelaufsatz beschenkte Geheime Kommerzienrat Dr.-Ing. E. h. Oskar Kösters (geboren am 10. November 1876) hatte mit 25 Jahren seine Universitätsstudien abgeschlossen, wurde anschließend Direktor der Hansa-Werke und war 1907 als drittes Mitglied in den Vorstand der 1906 gegründeten Bayerischen Braunkohle-Industrie Aktiengesellschaft (BBI-AG) berufen worden. 1918 erhielt Kösters die bayerische Staatsangehörigkeit, kurz vor seinem Tode am 23. September 1927 ehrte ihn die Bergakademie Freiberg mit der Verleihung der Würde eines Dr.-Ing. E. h.

Schwandorf war Kösters Lebensmittelpunkt: 1908 war er alleiniges Vorstandsmitglied geworden und sicherte in der Folgezeit die Zukunft der BBI. Er verstand es, die relativ wasserreiche Oberpfälzer Braunkohle als Kraftwerkskohle abzusetzen. Als Generaldirektor prägte er den Braunkohlenbergbau in der Oberpfalz in den Jahren bis 1927 und besonders den von Schwandorf und Wackersdorf. Auf Betreiben Kösters kam es im Jahre 1910 zur Gründung der Bayerischen Kohlenkontors GmbH, die den Alleinverkauf der Wackersdorfer Briketts übernahm und Verkaufsfilialen in München, Straubing und Augsburg einrichtete. Daraufhin konnten die Förderung von Rohbraunkohle und die Produktion von Braunkohlenbriketts erheblich gesteigert werden. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs erprobte Kösters die Veredelung der Braunkohle und experimentierte - allerdings erfolglos - mit einer Kohlevergasungsanlage. Den dauerhaften Absatz der Wackersdorfer Braunkohle sicherte Kösters noch kurz vor seinem Tode, indem er mit der Bayernwerk AG den Bau eines Dampfkraftwerkes auf Braunkohlenbasis vereinbarte. Die BBI bestand noch bis zum Jahre 1982, als die letzte Braunkohle aus den Tagebauen im Raum Wackersdorf-Schwandorf gefördert wurde.

Kösters galt als lebensfroh und unternehmensfreudig; er verstarb während eines Sanatoriumsaufenthalts auf der Bühlerhöhe im Schwarzwald wahrscheinlich an den Folgen einer Pilzvergiftung im 50. Lebensjahr. Er zählte zu den markantesten Persönlichkeiten des bayerischen Wirtschaftslebens, war bekennender Katholik, Mitglied der Bayerischen Volkspartei und in politischen, katholischen Kreisen wohlbekannt und gelitten. Seine Volksnähe war bekannt: Er pflegte an der Fronleichnamsprozession mit seinen Beamten und Arbeitern teilzunehmen, er schuf bei der BBI ein seinerzeit als vorbildlich geltendes soziales Netz. Seine tiefe Gläubigkeit mag der Grund dafür sein, dass der Heilige Sylvester im Becher dargestellt worden ist, hatten sich unter seinem Pontifikat (314 bis 335) doch die Bekehrung Konstantins d. Gr. und die Einführung des Christentums als Staatsreligion vollzogen.

Verheiratet war Oskar Kösters mit der aus dem luxemburgischen Schieren stammenden Julia Kösters, geb. Toussaint; aus der Ehe stammten die beiden Töchter Maria Dorothea Ottilie (geb. 1906) und Margarita Emilia (geb. 1910). Seine Villa hat sich in Schwandorf erhalten, eine Straße ist nach ihm benannt.

Der Tafelaufsatz für Oskar Kösters ist ein in der bergmännischen Kunst singuläres Objekt - abgesehen vom so genannten Wieliczka-Horn aus dem Jahre 1534, das das Kunstmotiv des "Wilden Mannes" mit einem Trinkhorn verbindet. Die Unvergleichlichkeit dieses Meisterwerks bergbaulicher Kunst ist aus der Tatsache abzuleiten, dass eine Ehefrau ihrem Manne ein besonderes Geschenk machen wollte und dabei eigene Vorstellungen von einem bekannten Goldschmied hat umsetzen lassen. Dieser Tafelaufsatz ist demnach ein sehr persönliches Kunsterzeugnis und als solches von besonderer Aussagekraft als Dokument eines bergmännischen Lebens.


LITERATUR:
Kunstauktionshaus Schloss Ahlden (Hrsg.): Auktion Nr. 136 vom 30. November/01. Dezember 2007, Ahlden/Aller 2007, Nr. 93, S. 18 f.; Bayerische Braunkohlen-Industrie Aktiengesellschaft (Hrsg.): 75 Jahre BBI, 1906-1981, Schwandorf 1981; Kiener, Hans: Zum Lebenswerk von Fritz Schmidt, in: Die Christliche Kunst 32, 1935, S. 140-145; Notizen, in: Braunkohle 1927, S. 339 u. S. 686; Notiz, in: Deutsche Goldschmiede-Zeitung 13, 1935, S. 123; Slotta, Rainer/Bartels, Christoph: Meisterwerke bergbaulicher Kunst vom 13. bis 19. Jahrhundert, Bochum 1990, Nr. 227, S. 509 f.; frdl. Hilfe und Unterstützung der Stadtbibliothek Schwandorf, Herr Alfred Wolfsteiner.

Foto: Kunstauktionshaus Schloss Ahlden/Aller

Prof. Dr. Rainer Slotta, Bochum

Der Anschnitt 60, 2008, H. 2 (Beilage)

MEISTERWERKE BERGBAULICHER KUNST UND KULTUR

Nr. 122:Vincenzo Maria Coronelli, so genannter Coronelli-Globus
Vincenzo Maria Coronelli, so genannter Coronelli-Globus (1681 bis 1683)
Ausschnitt mit einer Darstellung des Montanwesens
Paris, Bibliothèque Nationale de France


Zu den herausragenden Sammlungsobjekten in der Bibliothèque Nationale de Paris gehören zweifelsohne die beiden großen Globen des Minoritenpaters Vincenzo Maria Coronelli. Dieser bedeutende Kartograf und Kosmograf wurde am 16. August 1650 in Venedig geboren und verstarb auch dort am 9. Dezember 1718 im Alter von 68 Jahren. Als einer der seinerzeit berühmtesten Kartografen fertigte er im Jahre 1768 einen Himmels- und einen Erdglobus mit einem Durchmesser von 175 cm an, der in der politischen und wissenschaftlichen Welt weite Beachtung gefunden hat und Coronellis Ruhm zu begründen half. Weitere Globenpaare von Cornelli befinden sich im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien, in den Stiftsbibliotheken von Melk und Vorau sowie in der Stadtbibliothek Trier (aus den Jahren 1688 bzw. 1693). Coronelli gründete im Jahre 1684 auch die erste geografische Gesellschaft der Welt ("Accademia Cosmografica degli Argonauti") und schuf die erste Enzyklopädie in italienischer Sprache ("Biblioteca Universale Sacro-Profana").

Die beiden Erd- und Himmelsgloben in Paris (auch "Globes de Marly" genannt) gehören mit ihren Durchmessern von 387 cm zu den größten Exemplaren ihrer Art. Sie wurden vom französischen Botschafter in Italien, dem Kardinal César d'Estrées, der die beiden in Parma befindlichen Coronelli-Globen während einer Reise im Jahre 1680 gesehen hatte und von ihnen ungemein beeindruckt war, als Geschenke für den französischen "Sonnenkönig" Ludwig XIV. in Auftrag gegeben. Coronelli fertigte die beiden Globen zwischen 1681 und 1683 im Pariser Hôtel de Lionne an: Sie wogen ungefähr 2 t, ihre Durchmesser erreichten mit den metallenen Meridianen und Himmelskreisen 487 cm, die mehr als 8 m hohe und über 15 t wiegende, bronzene und marmorne Architektur der Aufhängung errichteten die renommierten Architekten Jules Hardouin-Mansart und der Engländer Michael Butterfield.

Nach der Fertigstellung im Jahre 1683 begann die Odyssee der beiden Globen, die, ursprünglich für das Schloss in Versailles bestimmt, niemals dort, sondern vielmehr im Schloss von Marly aufgestellt werden sollten. Zunächst verblieben sie allerdings in Paris, bis in Marly ein Pavillon zur Aufnahme der beiden Globen errichtet war. Von 1703 bis 1715 beeindruckten die Globen die Besucher des Schlosses von Marly, darunter auch die englische Königin, die 1704 Ludwig XIV. dort besuchte. Doch verlor der König bald das Interesse an den riesigen Globen: 1715 kamen sie zurück nach Paris und waren erst zwischen 1782 und 1901 wieder in der Bibliothèque Royale bzw. Nationale zu sehen. 1901 gelangten die Globen in das Depot und wurden erst zu Beginn der 1970er-Jahre von dem Kartografen Michel Morel und der Kuratorin Monique Pelletier wieder entdeckt. Nach einer Restaurierung wurden sie im Jahre 1980 erstmals in einer Sonderausstellung gezeigt, daraufhin jedoch erneut eingelagert und danach erst auf der Weltausstellung des Jahres 2000 in Hannover im französischen Pavillon wieder gezeigt. Im September 2005 beeindruckten die Globen die Öffentlichkeit in einer Sonderausstellung im Pariser Grand Palais, um danach bis heute in der Bibliothèque Nationale (im Westflügel der Bibliothèque François Mitterand) aufbewahrt zu werden - allerdings ohne die originale Architektur der Aufhängung.

Die beiden Globen geben den seinerzeitigen Wissensstand auf dem Gebiet der Geografie wieder und sind Musterbeispiele für eine möglichst umfassende, enzyklopädische Vermittlung von Kenntnissen aller Art. Die damalige Kenntnis von der Erde (und vom Himmel) ging noch davon aus, dass Kalifornien eine Insel sei; in mehr als 600, z. T. sehr langen und ausführlich gehaltenen, erklärenden Beischriften in Kartuschen wurden auch Erläuterungen zu Sitten und Gebräuchen von weit entfernt liegenden, fremden Völker erwähnt (z. B. im Falle von Chile). Bei den Texten berief sich Coronelli auf Berichte von Forschern und Reisenden - so im Falle des Flusslaufes des Mississippi, bei dem er auf Berichte von Jean-Baptiste Franquelin, einem Quebecer Kartografen, und auf den Chevalier de La Salle, dem Erforscher dieses Gebietes, zurückgriff.

Unter den zahlreichen Darstellungen auf dem Erdglobus fällt bei jener von Neu-Mexiko auf der nordamerikanischen Halbkugel eine Kartusche auf, deren Text von einer ungewöhnlichen Bergbaudarstellung gerahmt ist. Neben einer Unmenge von berg- und hüttenmännischem Gezähe im oberen Bereich der Darstellung erkennt der Betrachter links eine Haspelszene, auf der zwei Bergleute einen Rundbaum mit einem Förderseil bewegen. Darunter wird der untertägige Bergbau vorgestellt: Ein Bergmann mit rotem Wams und dunklen Hosen arbeitet mit Schlägel und Eisen im Schein seines Geleuchts an einer Ortsbrust, noch weiter unten legen zwei Arbeiter mit Keilhauen einen Schurf an: Einer kniet noch auf der Tagesoberfläche, der zweite ist bereits bis zur Hüfte ins Erdreich eingedrungen. Den gesamten unteren rechten Raum nimmt eine hüttenmännische Szene ein: Ein zeitgenössischer Treibeofen, der durchaus sächsischen Exemplaren ähnelt, wird von einem Schmelzer überwacht, während ein anderer einen Blasbalg bewegt, der dem Ofen den nötigen Wind zuführt.

Der Text in der Kartusche nimmt keinen Bezug auf die Darstellungen auf der Rahmung, sondern beschreibt nur sehr allgemein die Entstehung der Bergwerke von Neu-Mexiko. Der Text geht offensichtlich zurück auf einen Bericht des französischen Abtes Claude Bernou an Coronelli, den dieser wortwörtlich übernommen hat: "L'An 1581. Le Pere Augustin Ruys de l'Ordre de Saint François ayant su par le r'apport de quelques Indiens appellez Conches qu'il y avoit vers le Nord un Pays que n'etoit pas encore connu des Espagnols, demanda au Comte de Coruna Viceroy de la Nouvelle Espagne, la permission d'en entreprendre la découverte pour y répandre la lumière de l'Evangile, ce qui luy fut accordé. Antoine d'Espeie qui se trouvoit lors aux Mines de Sainte Barbe, se persuada qu'il y trouveroit vant de richesses, qu'il demanda qu'il luy fut permis de faire cette decouverte a ses dépens. Il partit le dixième Novembre, mil cinq cent quatre vingt deux pour executer ce dessein. Il découvrit plusieurs Mines, & de grandes Provinces ausquelles on a depuis donne le nom de Nouveau Mexique ou de Nuevo Marata que j'ay diposees suivant les Relations du Comte de Pennalossa qui en etoit Gouverneur en 1665, & sur les Manuscrits du P. Estevan Gardien de l'Ordre de Saint François, & sur quelques autres memoires faits sur les lieux (Im Jahre 1581[.] erfuhr Vater Augustin Ruys vom Orden des Heiligen Franziskus durch einen Bericht von einigen Conches genannten Indianern, dass es im Norden ein Land gäbe, das den Spaniern noch nicht bekannt sei, und bat den Comte de Coruna, Vizekönig des Neuen Spaniens, um die Erlaubnis, diese Entdeckung zu unternehmen, um das Licht des Evangeliums weiterzutragen, was ihm gewährt wurde. Antoine d'Espei, der sich bei den Bergwerken der Heiligen Barbara aufhielt, erbot sich, da er große Reichtümer zu finden hoffte, dieses auf seine eigenen Kosten zu unternehmen. Er begann seine Reise am 10. November 1682, um dieses Unternehmen anzugehen. Er entdeckte mehrere Bergwerke und große Provinzen, denen man den Namen Neu Mexiko oder Nuevo Marata gab, was ich aus den Berichten des Comte de Pennalossa berichte, der dort im Jahre 1665 Gouverneur war, und aus den Manuskripten von P. Estevan, dem Hüter vom Orden des Heiligen Franziskus und aus einigen anderen Berichten über diese Orte)".

So ist der Text denn auch nicht wirklich aussagekräftig für eine exakte Schilderung der montanistischen Zustände und Vorgänge im Bergbau von Neu-Mexiko. Vielmehr muss man eine eher zufällige Nutzung des Themas "Bergbau" im Falle der Darstellung von Neu-Mexiko auf dem Globus annehmen: Dieses Thema bot sich an, weil Coronelli "zufällig" über den erwähnten Bericht von Bernou verfügte. So sind denn auch die Darstellungen vom Bergbau und vom Hüttenwesen nicht als tatsächliche Schilderung der in Neu-Mexiko eingesetzten technischen Verfahren und der benutzten Gezähe zu verstehen. Sie stellen vielmehr den damals bekannten Wissensstand dar, die Ähnlichkeit des Schmelzofens auf dem Coronelli-Globus mit sächsischen Treibeöfen ist somit als Kopie aus einem zeitgenössischen montanistischem Standardwerk zu bewerten.

Wichtiger allerdings ist die Tatsache, dass Coronelli überhaupt eine Bergbauszene auf seinem Globus dargestellt hat. Dies belegt, dass das Montanwesen im späten 17. Jahrhundert eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben gespielt hat und ein Thema in der Gesellschaft gewesen ist. Dass Nordamerika als ein sagenhaft reiches "Goldland" einen besonderen Ruf besessen hat, wird auch dazu beigetragen haben, dass Coronelli Neu-Mexiko als Bergbauregion mit dieser Szene versehen hat.

LITERATUR:
Richard, Hélène: Les Globes de Coronelli, Paris 2006; Rolin, Olivier: Une Invitation au Voyage, Paris 2006; Milanesi, Marica: Les Opinions géographiques du Père Coronelli, in: Bulletin du Comité français de Cartographie 159, 1999, S. 48-56; dies.: Le Globe terrestre de Coronelli, in: La Revue du Musée des Arts et Métiers 37, 2002, S. 34-49; dies./Donatino, Domini: Voncenzo Coronelli et l'Imago Mundi, Ravenna 1998; Pelletier, Monique: Des Globes pour le Roi-Soleil: Les Origines des "Globes de Marly", in: Tours et Contours de la Terre, Paris 1999, S. 23-32; dies.: Des Globes pour le Roi-Soleil, in: Revue de la Bibliothèque Nationale 2, 1981, S. 80-86; dies.: Les Globes de Marly, Chefs-d'Oeuvre de Coronelli, in: Revue de la Bibliothèque Nationale 47, 1993, S. 46-51; dies.: Les Globes de Louis XIV, les Sources françaises de l'Œuvre de Coronelli, in: Imago Mundi 34, 1982, S. 72-79; dies.: Les grandes Peintures du Globe terrestre de Louis XIV, in: Revue de la Bibliothèque Nationale de France 21, 2005, S. 58-66; Morel, Michel: Compte Rendu sur la Remise en État des Globes dits de Marly, Saint-Mandé 1980; Cartes et Figures de la Terre, Paris 1980, S. 11-14; Les Globes de Louis XIV. La Terre et le Ciel par Vincenzo Coronelli, hrsg. v. d. Bibliothèque Nationale de France, Paris 1999 (= CD-ROM).

Foto: Bibliothèque Nationale de France, Paris

Prof. Dr. Rainer Slotta, Bochum

DER ANSCHNITT 60, 2008, H. 1 (Beilage)

MEISTERWERKE BERGBAULICHER KUNST UND KULTUR

Nr. 124:Zeremonial-Schubkarre und -Spaten für den ersten Spatenstich des Baus der Denbigh
Zeremonial-Schubkarre und -Spaten für den ersten Spatenstich des Baus der Denbigh, Ruthin and Corwen Railway in Wales, Holz, Silber, 1860
Caerdydd/Cardiff (Wales), Amgueddfa Cymru-National Museum Wales (Inv.-Nr. P 91.1130)

Zu den besonderen Sammlungsobjekten des walisischen Nationalmuseums in Cardiff zählen ein Zeremonial-Schubkarren und ein -Spaten, deren Entstehungsgeschichte untrennbar mit der walisischen Eisenbahn- und Bergbaugeschichte verbunden ist. In der Form den gebräuchlichen Schubkarren und Spaten angeglichen, sind die sorgfältig hergestellten hölzernen Gezähe mit silbernen Beschlägen versehen worden: der Schubkarren im Wagenkasten und am Rad, der Spaten am Holm und am Griff; das Spatenblatt besteht sogar aus massivem Silber. Schubkarre und Spaten tragen die gleichlautenden Inschriften: "Presented by/Messrs Davies & Savin/The Contractors for making/The Denbigh Ruthin & Corwen Railway/To Miss Florence West/Ruthin Castle/In commemoration/of the cutting of the first sod/of the above Railway Septr 4th 1860."

Mit der Inschrift wird deutlicher Bezug genommen auf die Schöpfer dieser beiden Objekte, von denen David Davies (1818-1890) als einer der wichtigsten Wirtschaftsführer der walisischen Industrie des 19. Jahrhunderts die bedeutendere Persönlichkeit gewesen ist. Davies besaß in seinem Leben zwei Spitznamen: aufgrund seiner frühen Beschäftigung als Bauholzlieferant für die Bergwerke in der Grafschaft Montgomeryshire nannte man ihn "Top Sawyer" (Spitzen-Sägemeister), später sprach man von ihm nach der durch ihn gegründeten Ocean Coal Company bewundernd-neidisch als "Davies the Ocean". Er begann als Zivilingenieur und Eisenbahnunternehmer, war ein Pionier der walisischen Steinkohlenindustrie und die treibende Kraft für die Erbauung der Hafenanlagen von Barry Docks bei Cardiff zum Verladen der Steinkohlen aus dem walisischen Steinkohlenrevier. Als Mitglied des walisischen Parlaments vertrat er zwischen 1874 und 1886 den Stadtbezirk Cardigan, noch ein Jahr vor seinem Tode (1889) wurde er in den County Council (Kreistag) der Grafschaft Montgomeryshire gewählt. Als strenggläubiger calvinistischer Methodist und überzeugter Antialkoholiker widmete er sich der Förderung von Religion und Erziehung, u. a. förderte er die noch junge Universität in Aberystwyth. Er war verheiratet mit Margaret Davies, geb. Jones (1814-1894), die aus Y Werrn, Llanfair Caereinion, stammte, und die er während der Erbauung der Neuadd-Brücke über den Banwy-Fluss im Jahre 1852 kennengelernt hatte. Aus der Ehe entstammte ein Sohn, Edward Davies (1852-1898).

David Davies war der Sohn eines walisischen Bauern aus der Grafschaft Montgomeryshire und begann seine Laufbahn als Vermesser und Zivilingenieur. Er wurde bekannt als Holzlieferant und als erfolgreicher Unternehmer, der die Ufer des Severn befestigte. Danach erhielt Davies den Auftrag zur Erbauung von mehreren Brücken in der Grafschaft Montgomeryshire und zum Bau des Viehmarktes in Oswestry. Anschließend übertrug man ihm die Errichtung eines Eisenbahnnetzes in der Grafschaft Montgomeryshire: Seine erste, im Jahre 1859 eröffnete Bahnlinie war die von Llanidloes nach Newton. In den frühen 1860er-Jahren folgte die Bahnlinie von Newton nach Machynlleth: Sie wurde berühmt und bekannt durch den zu ihrer Zeit tiefsten und längsten Bahneinschnitt von Talerddig. Weitere erfolgreiche Unternehmungen betrafen Bahnlinien im Norden und Westen von Wales, doch gab es auch Rückschläge: So konnte die Bahnlinie von Manchester nach Milford nicht fertig gestellt werden.

Davies Unternehmungen als Bahnbauer waren schon bemerkenswert, seinen Ruhm als einer der bedeutendsten walisischen Industriellen begründete indessen sein Engagement in der Steinkohlenindustrie. 1864 erwarb er Gerechtsame im Steinkohlenrevier von Rhondda, nur zwei Jahre später förderten bereits seine beiden ersten Bergwerke - die Maindy- und die Parc-Gruben. Aus den Gewinnen erwarb er weitere Grubenfelder in den Tälern des Garw und Ogwr und teufte zwischen 1870 und 1885 die Date-, Eastern-, Western- und Garw-Schächte ab, 1886 folgte der Lady Windsor-Schacht in Ynysybwl bei Pontypridd. Bei den Bergwerken legte er Siedlungen für seine Arbeiter an, die er vorwiegend aus seiner Heimat, der Grafschaft Montgomeryshire, anwarb.

Seine Bergwerke brachte er 1887 in ein Unternehmen ein - die Ocean Coal Company, von den Anteilen besaßen David Davies und sein Sohn Edward mehr als die Hälfte. 1890 förderten die Bergwerke nahezu 2 Mio. t Steinkohle: Damit war das Unternehmen das wirtschaftlich stärkste in ganz Süd-Wales. Die Ocean Coal Company war innerhalb des British Empire weltweit tätig. Sie belieferte die Schiffe der P&O-Reederei mit walisischer Steinkohle und versorgte die britischen Stützpunkte, die im Atlantischen Ozean, z. B. auf dem Weg nach Südamerika, lagen.

Um die Versorgung der britischen Schiffe auf den Weltmeeren mit walisischer Steinkohle zu sichern und den Export zu stärken, verständigte sich Davies in den späten 1870er-Jahren mit den Eigentümern der anderen Bergwerke im Rhondda-Tal und konzipierte den Bau einer Eisenbahnlinie vom Rhondda-Revier zu einem neuen Steinkohlenverladehafen bei Barry. Trotz starker Gegenwehr im Parlament, setzte Davies den "Barry Dock and Railway Act" im Jahre 1884 durch, nur fünf Jahre später war die Verladestation vollendet. Lediglich fünf Monate nach der Betriebsaufnahme waren mehr als 1 Mio. t Steinkohle verladen. Die stolze Entwicklung, die die Ocean Coal Company bis in die 1890er-Jahre nahm, verdankte sie dem uneingeschränkten Einsatz von David Davies. Der Gewinn des Unternehmens allein in den Jahren 1890 und 1891 belief sich auf 470 000 £ (heute rd. 36 Mio. £). Davies hatte noch den Ankauf des damals mit 760 Yard Teufe tiefsten Bergwerks Deep Navigation geplant: Sein Tod im Jahre 1890 verzögerte zunächst dieses Vorhaben, das aber nur drei Jahre später (1893) von Powell Duffryn umgesetzt wurde. Dieser Kohleproduzent hatte nach Davies Tode die Ocean Coal Company übernommen.

Edward Davies als Sohn von David Davies war nicht der konsequent handelnde Industrielle, wie es sein Vater gewesen war; er verstarb bereits im Jahre 1898. Sein Vermögen - vorwiegend aus Aktien der Ocean Coal Company bestehend - wurde auf seine drei Kinder Gwendoline (1882-1951), Margaret (1884-1963) und David (1880-1944) aufgeteilt. Die Förderung aus dem walisischen Kohlerevier boomte zu dieser Zeit und erreichte im Jahre 1913 ihren Höhepunkt: Die Ocean Coal Company förderte in diesem Jahr fast 2,4 Mio. t Steinkohle und beschäftigte über 8000 Arbeiter. Die Gesamtförderung von südwalischer Steinkohle lag gleichzeitig bei rd. 57 Mio. t.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die Familie Davies ihre Anteile an den Bergwerken, Eisenbahnen und Hafenanlagen. Inzwischen sind alle einst zur Ocean Coal Company zählenden Steinkohlenbergwerke stillgelegt, gleiches gilt für die Bahnlinien; die Barry Docks arbeiten noch. Der Name "Ocean" existiert noch in einem Nachfolge-Unternehmen ("Ocean Wilsons Holdings Ltd."), das sich auf Schlepperdienste, Offshore-Versorgungsschiffe und Containerlieferungen nach Brasilien spezialisiert hat.

David Davies ist ein international angesehener Industrieller und ein renommierter, "typischer" Vertreter des British Empire gewesen. Sein Einfluss reichte weit, sein Rat war gefragt: Er beriet z. B. den russischen Zaren Alexander II. bei dessen Eisenbahn-Planungen. Sein Interesse war lebhaft und auf alle erfolgreich erscheinenden Sparten ausgedehnt, in kultureller und sozialer Hinsicht engagierte er sich in großem Umfang. Er nahm u. a. auch an der Eröffnung des Suez-Kanals im Jahre 1869 teil und bereiste anschließend Palästina. Dennoch blieb Davies stets bodenständig und versuchte, wann immer es ihm möglich war, das Wochenende in seinem Haus in Llandinam zu verbringen. 1864 errichtete er sich ein neues Wohnhaus ("Broneirion"), weitere 20 Jahre später kaufte er das Schloss Plas Dinam als Wohnhaus für seinen Sohn Edward.

Die Erinnerung an diesen "großen" walisischen Industriellen hält das Geschenk an Florence West, der Besitzerin von Ruthin Castle, fest, auf deren Besitz der Eisenbahn-Einschnitt von Talerddig gelegen hat. Den Dimensionen dieses gewaltigen, seinerzeit tiefsten und größten Eisenbahnbauwerks ist die Qualität der beiden Zeremonialgegenstände angemessen: Die Schubkarre und der Spaten symbolisieren die engen Beziehungen zwischen Bergwerken, Transportwegen, Verladeanlagen und dem Handel, sie sind in allen vier Bereichen gleichermaßen einsetzbar. Insofern stehen sie auch für den Lebensweg von David Davies als walisischem Industriellen, der das Land und seine Region mit der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung nachhaltig geprägt hat. Vergleichbar erscheinen David Davies Lebenslauf und Karriere auf preußischer Seite mit denen des so genannten Eisenbahnkönigs Bethel Strousberg (1823-1884), in dessen Unternehmungen Rohstoffgewinnung und Bahnlinientransport auf ähnliche Weise eng miteinander verbunden waren.


LITERATUR:
Fairclough, Oliver (Hrsg.): "Things of Beauty". What two Sisters did for Wales, Cardiff 2007; Boyns, Trevor: Growth in the Coal Industry: The Cases of Powell Duffryn and the Ocean Coal Company 1864-1913, in: Baber, Colin/Williams, L. J.: Modern South Wales: Essays in Economic History, Aberystwyth 1986; Christiansen, Rex/Miller, R. W.: The Cambrian Railways, Vol. 1: 1852-1888, o. O. 1967; Jones, Gwyn Briwnant: Railway through Talerddig, Gomer 1990; Protheroe, I. W.: The Port and Railway of Barry, in: Moore, Donald (Hrsg.): The Centenary Book, Barry 1984; Thomas, Ivor: Top Sawyer: A Biography of David Davies of Llandinam, Golden Grove 1988; Williams, Herbert: Davies the Ocean: Railway King and Coal Tycoon, Aberystwyth 1991; Ohlsen, Manfred: Der Eisenbahnkönig Bethel Henry Strousberg. Eine preußische Gründerkarriere, Berlin 1987; frdl. Hinweise und Hilfe des Amgueddfa Cymru-National Museum Wales, Cardiff.

Foto: Amgueddfa Cymru-National Museum Wales, Adran Ffotograffiaeth/Photograhic Department, Caerdydd/Cardiff (Wales)

Prof. Dr. Rainer Slotta, Bochum

Der Anschnitt 60, 2008, H. 3-4 (Beilage)

MEISTERWERKE BERGBAULICHER KUNST UND KULTUR

Nr. 125:
Geschenk der Witkowitzer Bergbau- und Eisenhüttengewerkschaft an ihren scheidenden Generaldirektor Emil HolzGeschenk der Witkowitzer Bergbau- und Eisenhüttengewerkschaft an ihren scheidenden Generaldirektor Emil Holz
Carl Waschmann, Wien, 1901, Silber (teilweise vergoldet, getrieben, gegossen, gemarkt), Holz, Lapislazuli, Höhe 73 cm, Breite 42,5 cm, Tiefe 30,5 cm
Bochum, Deutsches Bergbau-Museum (Inv.-Nr. 030006077001)

Auf der Weihnachtsauktion 2007 des Londoner Auktionshauses Sotheby's konnte das Deutsche Bergbau-Museum Bochum ein über 70 cm hohes, äußerst repräsentatives Geschenk der Witkowitzer Bergbau- und Eisenhüttengewerkschaft an ihren Generaldirektor Emil Holz erwerben, das die Kunstsammlungen des Museums ganz entscheidend erweitert. Das Geschenk ist in der bergmännischen Kunstgeschichte bislang unbekannt gewesen, umso bedeutsamer ist der Erwerb für das Deutsche Bergbau-Museum Bochum.

Der mit dieser kostbaren Aufmerksamkeit beschenkte Emil Holz wurde am 10. April 1840 in Stuttgart geboren und verstarb am 4. November 1915 in Berlin-Charlottenburg. Er war der Sohn des Oberlehrers Andreas Heinrich Holz und seiner Frau Christina Louise, die beide aus dem schwäbisch-württembergischen Raum stammten, und war einer der fachlich bedeutendsten Eisenhüttenleute vor dem Ersten Weltkrieg: Um die Jahrhundertwende galt er bei seinen Fachkollegen in Deutschland und Österreich als erste Autorität.

Holz besuchte das Gymnasium seiner Geburtsstadt und studierte anschließend an der hüttenmännischen Abteilung der Polytechnischen Schule in Stuttgart. Zu seinen Kommilitonen zählten u. a. der Dichter Max Eyth (1836-1906), der später als Turbinenbauer bekannt gewordene Maschinentechniker Johann Matthäus Voith (1803-1874), der als Betriebsdirektor des Bochumer Vereins verstorbene Diefenbach, der spätere Luftschiffer Ferdinand Graf von Zeppelin (1838-1917) sowie der junge Mechaniker Gottlieb Wilhelm Daimler (1824-1900). Nach Absolvierung des Stuttgarter Polytechnikums besuchte Holz noch ein Jahr lang die Bergakademie in Leoben, an der damals Peter Ritter von Tunner (1809-1897) lehrte, und legte anschließend 1862 die Staatsprüfungen für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen am Stuttgarter Polytechnikum ab. Seine erste Anstellung erfolgte im Kgl. Hüttenwerk Wasseralfingen, und Holz wurde unter dem Vorstand Hermann Reusch württembergischer Hüttenverwaltungsassistent auf den Werken Königsbronn und Itzelberg. Dort machte er seine ersten praktischen Studien am Hochofen, in der Gießerei und im Walzwerk.

Im Juni 1863 bestand Holz in Stuttgart die zweite Staatsprüfung und trat danach in verschiedene private Unternehmen ein: zunächst arbeitete er auf dem Werk der Prager Eisenindustriegesellschaft in Kladno und danach, ab 1865, auf den von Rollschen Eisenwerken in Solothurn (Schweiz), wo er mit 25 Jahren Direktor des Hochofenwerks Choindez wurde. 1867 stellte ihn Carl Poensgen (1838-1921) bei der Jünkerather Gewerkschaft in Düsseldorf ein, 1870 war Holz Leiter "für Bau und Betrieb des Hochofenwerks" der damals im Besitz des "Eisenbahnkönigs" Bethel Henry Strousberg (1823-1884) befindlichen Dortmunder Hütte. 1872 wechselte er nach Pirna zum dortigen Hochofenwerk der Sächsischen Eisenindustrie AG und trat 1875 als Leiter der Dillenburger Adolfhütte in die Dienste der Firma Frank & Giebeler.

1878 erfolgte durch Paul Kupelwieser (1843-1919) seine Berufung zum Chef der Hochofenanlage des Witkowitzer Eisenwerkes in Mährisch-Ostrau (Tschechien), um die dortigen Hochöfen umzubauen und neu zuzustellen. Diesem Hochofenwerk widmete Holz in der Folgezeit seine gesamte Energie: zunächst als Hochofenleiter und stellvertretender Direktor an der Seite von Generaldirektor Kupelwieser, seit 1893 bis 1901 in der Funktion des Generaldirektors. Ihm war vor allem daran gelegen, den technischen und wirtschaftlichen Erfordernissen der Zeit gerecht zu werden. Unter seiner Ägide entwickelte sich das Witkowitzer Hüttenwerk zum größten Industrieunternehmen der österreich-ungarischen Monarchie mit mehr als 10 000 Beschäftigten. Holz führte als erster die Verhüttung von Kiesabbränden ein und errichtete eine Kupferextraktion, wobei durch den Erlös des gewonnenen Kupfers die Reinigungskosten des Erzes gedeckt wurden. Er war auch einer der ersten in Europa, der die Gewinnung von Ammoniak und Benzol in der Kokerei sowie die rationelle Umgestaltung der Stahlgewinnungsprozesse durch Modernisierung der Hochöfen betrieb. Nach einer Englandreise, die Holz mit Kupelwieser und Max von Gutmann zum Studium des Thomas-Gilchrist-Verfahrens durchführte, wurde im Witkowitzer Hüttenwerk der so genannte kombinierte Prozess eingeführt, bei dem das flüssige Roheisen zunächst in der Bessemerbirne vorgeblasen und anschließend im Martinofen fertig gemacht wird. Mit Kupelwieser baute Holz ein Röhrenwalzwerk, eine Schamottefabrik und ein zweites Stahlwerk mit Stahlgießerei auf.

Zur Erweiterung der Erzbasis des Hüttenwerks, das zur Eisen- und Stahlerzeugung zunächst nur Innerberger Spat, kieseligen Roteisenstein von Mährisch-Neustadt und armen Brauneisenstein von Sternberg-Kwittein einsetzte, erfolgten im Jahre 1895 der Erwerb der Grubenfelder von Rudobanya-Telekes (1880-1893) und danach der Kotterbacher-Poracser Bergwerke in Oberungarn (1895), die Bessemer-Erze hoher Qualität lieferten und - nebenbei - eine so hohe Quecksilber-Produktion erlaubten, dass diese allein hohe Gewinne erbrachte. Schließlich brachte Holz 1895 die Koskullskulle-Gellivara in Schweden in den Besitz der Witkowitzer Hüttenwerke: Witkowitzer Stahl wurde jetzt unter der Leitung von Holz zu einem Qualitätsbegriff, das Witkowitzer Hüttenwerk entwickelte sich zu einem führenden Produzenten von Kriegsmaterial. Nicht zu vergessen ist auch sein Wirken auf dem Gebiet der Wohlfahrtseinrichtungen und der Fürsorge für die Arbeiter und Beamten des Witkowitzer Werkes.

1901 legte Emil Holz sein Amt als Generaldirektor in Witkowitz nieder und zog nach Berlin, um sich ganz seinen Familienunternehmungen zu widmen und als Berater tätig zu sein. So unterstützte er die Rheinische Metallwaren- und Maschinenfabrik, Düsseldorf, die Chemische Fabrik Hönningen am Rhein und die Westfälischen Stahlwerke in Bochum. Außerdem befasste er sich intensiv mit Grubenuntersuchungen und dem Erwerb von Bergwerksfeldern in ganz Europa und wurde Mitarbeiter der Zeitschrift "Stahl und Eisen". Am 10. April 1910 wurden ihm von der Technischen Hochschule Stuttgart die Würde eines Doktor-Ingenieurs ehrenhalber und vom Verein Deutscher Hüttenleute die Carl-Lueg-Denkmünze verliehen.

Emil Holz heiratete im Jahre 1870 Elise Pauline Eisenmann (1842-1912), die Tochter des Stuttgarter Professors Wilhelm Friedrich Eisenmann. Aus der glücklichen Ehe gingen die 1877 geborenen Zwillinge Otto und Karl hervor, von denen der erste Hüttenmann wurde.

Der Tischaufsatz ist Emil Holz bei seinem Ausscheiden als Generaldirektor von der Witkowitzer Bergbau- und Eisenhüttengewerkschaft verehrt worden und belegt seine hohe Wertschätzung als Ingenieur und Mensch. Das von zwei Putten gehaltene Medaillon zeigt das Porträt von Emil Holz, unterhalb der aus kostbarem Lapislazuli hergestellten Säulenstellung mit einer Inschrifttafel auf dem profilierten Architrav ("Die Witkowitzer Bergbau u. Eisenhüttengewerkschaft ihrem langjähr. Mitarbeiter Emil Holz 1878 - 1901") sind ein Bergmann mit geschulterter Doppelkeilhaue (als Symbol der Industrie), eine sitzende Frau mit Früchten (als Symbol der Kunst und der Natur), ein Knabe (als Symbol für die Jugend) sowie eine Eule und ein Buch (als Symbole der Wissenschaft) wiedergegeben. Zwei weitere Putten mit berg- und hüttenmännischem Gezähe (Hammer und Zirkel) reichen Kränze empor, die Darstellungen eines Walzwerks, eines Puddelofens, einer Thomasbirne, eines Hochofens und eines Schmelzvorgangs am Sockel nehmen auf die hüttentechnischen Leistungen von Emil Holz Bezug; das abgebildete Gebäude auf der Vorderseite ist das Verwaltungsgebäude der Witkowitzer Gewerkschaft in Mährisch-Ostrau. Auf dem Sockel liegen zusammen mit einer Ruhmespalme Erzeugnisse des Eisenwerks (Eisenbahnräder, eine Geschosskartusche, ein Hammer sowie ein Doppel-T-Träger).

Der Aufsatz zählt zu den stattlichsten, aufwändigsten Geschenken seiner Art und wurde vom Wiener Medailleur, Ziseleur und Elfenbeinschnitzer Carl Waschmann (1848-1905), einem Lehrer an der Fachschule für Bronzearbeiten und Ziseleure in Wien, geschaffen (signiert "fecit C. Waschmann"). Waschmann hat im Jahre 1900 auf der Wiener Weltausstellung ausgestellt, eventuell ist bei dieser Gelegenheit der Kontakt zur Witkowitzer Gewerkschaft entstanden.

Emil Holz ist als einer der wichtigsten Vertreter der deutsch-österreichischen Hüttenindustrie während der Gründerzeit und der Jahre bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs anzusehen. Er wird beschrieben als durchsetzungsfähiger, energischer Mensch, der sowohl humorvoll, als auch verletzend sein konnte. Seine Familie ging ihm über alles, in gesellschaftspolitischer Hinsicht war er konservativ-deutschnational eingestellt: So förderte er im tschechisch-mährischen Witkowitz das "Deutschtum". Der Tafelaufsatz mit seiner Symbolik und Emblematik ist ein deutlicher Beleg für das weite Spektrum der Tätigkeiten dieser großen Persönlichkeit und ihres Wirkens.

LITERATUR:
Perlick, Alfons: Oberschlesische Berg- und Hüttenleute, Kitzingen 1953, S. 180 f.; ders.: Holz, Emil, in: Neue Deutsche Biographie, Berlin 1953, Bd. 9, S. 567; Tafel, W.: Emil Holz, in: Stahl und Eisen 35, 1915, S. 1241-1246; Deutsche Biographische Enzyklopädie (DBE), München 1997, Bd. 5, S. 158; Gutmann, Max Ritter von: Emil Holz, in: Montanistische Rundschau 7, 1915, S. 788; Kohle und Erz 1915, S. 572 f.; o. A.: Das Eisenwerk Witkowitz, o. O. (Mährisch-Ostrau), o. J. (1914); Wilczek, W.: Werden und Wachsen des Eisenwerkes Witkowitz, in: Beskiden-Post 1953, Nr. 11; Thieme, Ulrich/Becker, Felix: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler (hrsg. v. Hans Vollmer), Leipzig 1942, Bd. 35, S. 169.

Foto: Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Prof. Dr. Rainer Slotta, Bochum

Der Anschnitt 60, 2008, H. 5-6 (Beilage)