Frédéric Kowalski:
Die Halden im Steinkohlenrevier Nord-Pas de Calais

Ob sie in ihrer ursprünglichen Erscheinungsform erhalten, ob sie begrünt und/oder umgestaltet worden sind: Die Halden sind fester Bestandteil der Landschaft und für viele Orte der Freizeitgestaltung geworden. Im Zentrum mancher Städte, in denen man sonst nur wenige Grünzonen und geringen Baumbestand findet, sind sie von grundlegender Bedeutung, stellen sie doch die einzigen für die Öffentlichkeit zugänglichen Freiräume für Spaziergänge dar. Aber diese neue Funktion ist erst das Ergebnis der jüngsten Geschichte, die gekennzeichnet ist durch lange Verhandlungen über die Bestimmung der Halden und eine allmähliche Veränderung in der Mentalität der Einwohner. Der Beitrag widmet sich der Entwicklung des Halden-Statuts sowie der Halden-Typologie und stellt ein neues, Datenbank gestütztes Inventar der Halden dar, das als Fundament für die Beurteilung des gegenwärtigen Halden-Bestandes im Steinkohlenrevier Nord-Pas de Calais fungiert.

Andreas Bingener:
Armenkasten oder Knappschaftsbüchse -
Der Kampf der Goslarer Bergknappen um eine eigene soziale Absicherung

In den Jahren 1532 bis 1539 erkämpften sich die Goslarer Bergknappen, die bis zur Reformation in Bruderschaften organisiert waren, eine neue soziale Absicherung. Der Rat der freien Reichsstadt gewährte ihnen die Gründung einer sozial-karitativen Einrichtung, Knappschaft genannt. Die Knappen erhielten außerdem, wie zu Bruderschaftszeiten, ein eigenes neues Spital. Während die Einrichtung eines älteren Knappenspitals bislang nur vermutet werden konnte, lässt sich eine solche Institution anhand einer Urkunde von 1294 nunmehr eindeutig für das spätere Mittelalter belegen.

 

Naïma Maziz/Raphaël Alessandri:
The coal-miners' settlements in the Nord-Pas-de-Calais coal-field

Mining and the mining companies in the Nord-Pas-de-Calais coal-field, as a labour-intensive industry, were first provided with the necessary labour power by the agricultural industry. Around 1810, and as a consequence of industrial development, the continual increase in activities made it necessary to attract new workers who were better trained as miners and who had to be permanently settled. In order to overcome the lack of housing, the mining companies erected settlements. From now on, a specific landscape largely concentrated on mining emerged; here and there settlement followed the mining activity below ground. Mining combined two basic functions: extraction and living space. The article deals with the emergence and development of the mining settlements, analyzes their typology and evaluates them as the subject of the public relations' work of the mining companies.

Naïma Maziz/Raphaël Alessandri:
Die Bergmannssiedlungen im Steinkohlenrevier von Nord-Pas de Calais

Dem Bergbau und den Bergwerksgesellschaften im Revier Nord-Pas de Calais als arbeitskräfteintensiver Industrie stellte zunächst die Landwirtschaft die benötigten Arbeitskräfte zur Verfügung. Um 1810 und entsprechend der industriellen Entwicklung machte der stetige Anstieg der Aktivitäten die Anwerbung neuer Arbeiter erforderlich, die als Bergleute besser ausgebildet waren und dauerhaft angesiedelt werden mussten. Um den Mangel an Wohnraum zu beseitigen, errichteten die Bergwerksgesellschaften Siedlungen - von nun an entstand eine spezifische, zum großen Teil auf die Bergwerke konzentrierte Landschaft, hier und dort folgte die Siedlung dem Abbau unter Tage. Der Bergbau verband zwei grundsätzliche Funktionen: die Förderung und den Wohnraum. Der Beitrag behandelt die Entstehung und Entwicklung der Bergarbeitersiedlungen, analysiert deren Typologie und wertet sie als Objekte der Öffentlichkeitsarbeit der Bergwerksunternehmen.

Marie Patou:
The heritage of the Nord-Pas-de-Calais coal-field

The Nord-Pas-de-Calais coal-field is an extensive region characterized by widespread distribution of artefacts from intensive industrial activity in an otherwise little developed, tendentially rural environment. As an organic, generally valid structure, the entire region possesses a comprehensively functioning system in technical, economic and social respects that was inseparably linked with mining through three centuries. Its effects are comprehensible in the physical and historical context throughout a long period. The article lays out the heritage of mining history of the Nord-Pas-de-Calais region taking into account the aspects of the history of technology, society and culture.

Marie Patou:
Das Erbe des Steinkohlenreviers Nord-Pas Calais

Das Steinkohlenrevier Nord-Pas de Calais ist ein ausgedehntes Gebiet, das sich durch eine weite Verbreitung von Sachzeugen einer intensiven industriellen Aktivität in einer ansonsten wenig entwickelten, eher ländlichen Umgebung auszeichnet. Als organische, allgemein gültige Struktur besitzt das gesamte Gebiet ein in technischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht umfassend funktionierendes System, das drei Jahrhunderte hindurch untrennbar mit dem Bergbau verbunden war. Seine Auswirkungen sind im physischen und historischen Kontext über einen langen Zeitraum hindurch nachvollziehbar. Der Beitrag erläutert das montanhistorische Erbe der Region Nord-Pas de Calais unter technik-, sozial- und kulturgeschichtlichen Aspekten.

Virginie Debrabant:
The mines in the Nord-Pas-de-Calais coal-field - three centuries of mining

In northern France, the extraction of coal has a long history stretching over almost three centuries. The first coal seam was found in Hardinghem in the vicinity of Boulogne-sur-Mer around 1660. However, this seam turned out to be meagre and its mining difficult. A sustainable beginning of coal-mining was established only several decades later in the region around Valenciennes. The article describes the main places of development of coal-mining in northern France taking into account aspects of economic, technological and social history up to the second half of the twentieth century.

Virginie Debrabant:
Die Bergwerke im Revier Nord-Pas de Calais - Drei Jahrhunderte Bergbau

Im Norden Frankreichs hat die Gewinnung von Steinkohle eine lange, fast drei Jahrhunderte umfassende Geschichte. Das erste Kohlenflöz wurde in Hardinghem, in der Nähe von Boulogne-sur-Mer, um das Jahr 1660 gefunden, doch erwies sich dieses Vorkommen als sehr geringmächtig und sein Abbau als schwierig. Ein nachhaltiger Beginn des Steinkohlenbergbaus erfolgte erst einige Jahrzehnte später in der Gegend von Valenciennes. Der Beitrag beschreibt die wesentlichen Entwicklungsphasen des nordfranzösischen Steinkohlenbergbaus unter Berücksichtigung wirtschafts-, technik- und sozialgeschichtlicher Aspekte bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Francis Meilliez:
The Nord-Pas-de-Calais coal-field - geological aspects

The deposits of the Nord-Pas-de-Calais coal-field are in their dimensions a unique geological formation lying completely underground and, as a consequence of mining activity, support a densely built-up area of European dimensions. Originally it was a segment of a mountain-chain front that was formed about 300 million years ago which includes the mined coal deposits from America through to Asia, thus incorporating also Europe. Mining of the deposits initially was carried out without any specific knowledge of the deposit, but it contributed decisively to the development of the worldwide knowledge of coal and its deposits. Today, the Nord-Pas-de-Calais coal-field represents an important reference model for the whole world in the developmental process toward a new balance between nature and interaction for the human society located on the deposit. It is important that these consequences arising from mining be thought about and researched in a universal scientific sense so as to control them.

Francis Meilliez:
Das Steinkohlenrevier von Nord-Pas de Calais: Geologische Aspekte

Die Lagerstätte des Steinkohlenreviers Nord-Pas de Calais ist in ihrer Dimension ein einzigartiges geologisches Objekt, das durchgängig unter Tage liegt und als Konsequenz der Gewinnungstätigkeit ein sich verdichtendes Ballungszentrum von europäischem Ausmaß trägt. Ursprünglich ist es das Segment einer Gebirgsfront, die sich vor rd. 300 Mio. Jahren gebildet hat, die abgebauten Steinkohlenlagerstätten von Amerika bis Asien einschließt und dabei Europa inkorporiert. Der Bergbau auf dieser Lagerstätte wurde bei seinem Beginn zunächst ohne spezifische Kenntnisse von der Lagerstätte durchgeführt, doch trug er ganz entscheidend zur Entwicklung der weltweiten Kenntnisse von der Steinkohle und ihrer Lagerstätten bei. Heute stellt das Revier Nord-Pas de Calais ein weltweit wichtiges Referenzmodell im Entwicklungsprozess zu einem neuen Gleichgewicht zwischen der Natur und der Interaktion für die menschliche Gesellschaft dar, die auf der Lagerstätte lebt. Es muss darüber nachgedacht werden, diese aus dem Bergbau herrührenden Folgen im universellen wissenschaftlichen Sinne zu erforschen und zu beherrschen.

Massimo Preite:
The Nord-Pas-de-Calais coal-field as a cultural landscape capable of development - a challenge

The application of the Nord-Pas-de-Calais coal-field to be entered in the UNESCO list of the world's cultural heritage under the category of "cultural landscape capable of development" is a new experience in several respects, for one, with regard to its geographical dimensions, for another, with regard to its model character of "preserving through change", and finally, with regard to its system of organization and administration. Each of these three aspects changes our established ideas of landscape hitherto tied to existing traditions. This article elucidates the dimensions of the application against the background of the three aspects mentioned.

Massimo Preite:
Das Steinkohlenrevier Nord-Pas de Calais als entwicklungsfähige Kulturlandschaft - eine Herausforderung

Die Bewerbung des Steinkohlenreviers Nord-Pas de Calais um eine Eintragung in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO in der Kategorie "entwicklungsfähige Kulturlandschaften" ist in mehrerer Hinsicht eine neue Erfahrung: zum einen hinsichtlich ihrer geografischen Dimensionen, zum zweiten hinsichtlich ihres Modellcharakters einer "Erhaltung im Wandel" und schließlich hinsichtlich ihres Organisations- und Verwaltungssystems. Jeder dieser drei Aspekte verändert unsere gewachsenen, bislang an bestehende Traditionen gebundenen Vorstellungen von "Landschaft". Der Beitrag erläutert die Dimensionen der Bewerbung vor dem Hintergrund der genannten drei Aspekte.

Jean-François Caron:
The application by the Nord-Pas-de-Calais coal-field to be entered in the UNESCO list of the world's cultural heritage

On 30 January 2003, the Association Bassin Minier UNESCO in Lens resolved to submit an official application to have the Nord-Pas-de-Calais coal-field entered in the UNESCO list of the world's cultural heritage as a "cultural landscape capable of development". Over the following five years, the unique and unusual richness of the mining heritage in Nord-Pas-de-Calais has been elaborated. Thus, over almost three centuries, mining permanently changed the region with its landscapes and towns, including the identity and customs of the people living there. Many artefacts which to the present day provide evidence of these industrial activities in the coal-field possess an extraordinary force and demonstrate the great upheavals that were provoked by industrialization for both the landscape and the populace. The article sets forth the contents, motives and procedures of the application.

Jean-François Caron:
Die Bewerbung des Steinkohlenreviers Nord-Pas de Calais um die Einschreibung in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO

Am 30. Januar 2003 hat sich die Association Bassin Minier UNESCO in Lens zur Einreichung ihrer offiziellen Bewerbung entschlossen, um das Steinkohlenrevier Nord-Pas de Calais als "entwicklungsfähige Kulturlandschaft" in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO eintragen zu lassen. Innerhalb der folgenden fünf Jahre wurde der einzigartige und außergewöhnliche Reichtum des bergbaulichen Erbes im Nord-Pas de Calais herausgearbeitet. So hatte der Bergbau über fast drei Jahrhunderte die Region mit ihren Landschaften und ihren Städten sowie die Identität und die Lebensweisen der hier lebenden Menschen nachhaltig verändert. Zahlreiche Zeugnisse, die im Steinkohlenrevier bis heute Belege dieser industriellen Aktivitäten sind, besitzen eine außerordentlich prägende Kraft und belegen die großen Umwälzungen, die in der Landschaft und bei der Bevölkerung durch die Industrialisierung hervorgerufen worden sind. Der Beitrag erläutert die Inhalte, Motive und Vorgehensweisen der Bewerbung.